Peter Kern im Interview: „Chicago-Blues-Legende Jimmy Reed zeigte mir mit seinem Rhythmus den Weg“

Peter Kern auf einem Presse-Foto mit roter Gitarre
Peter Kern, (c) Regina Courtier

Peter Kern ist 1973 in Wien geborener Bluesmusiker, sein aktuelles Album „Guitar Man“ lässt den elektrischen Blues in all seiner Energie und Vielfalt neu erstrahlen. Im Mail-Interview erzählt er von seinen Blues-Helden, seiner Leidenschaft für die Gitarre als Instrument und von der Entstehung des Albums „Guitar Man“.

Klangskizzerei: Wie kamst du zur Musik?

Peter Kern: Bei mir zu Hause gab es so gut wie immer Musik zu hören – viel Zeitgenössisches, aber auch eine Menge Rock’n’Roll und Blues, die mich begeisterten. Die Musik im Radio war noch stark von den afrikanischen Wurzeln geprägt, und im Fernsehen gab es zahlreiche Musiksendungen. Es waren die 70er, Musik war einfach überall. Ich spürte als Kind bereits, dass die Gitarre in meinem Leben von größter Bedeutung sein würde.

Welche Band oder welcher Musiker hat dein Leben verändert und wie?

Die Rockband Kiss hatte großen Einfluss auf meine Gefühlswelt, als ich etwa 8 war. Sie bestärkte den Glauben an meinen Traum, Musiker zu werden, enorm. Später, etwa mit 13, war es der Sound von der Chicago-Blues-Legende Jimmy Reed, der mir mit seinem Rhythmus den Weg zeigte, meinen Traum umzusetzen. So stand ich bereits mit 15 Jahren regelmäßig auf den Bühnen Wiens.

Wer sind deine favourite Blues-Gitarristen und warum?

Natürlich die 3 Kings (B. B. King, Freddie King & Albert King), allein schon, weil sie die Entwicklung der E-Gitarre maßgeblich beeinflusst haben. Besonders verehre ich aber die weniger Bekannten wie Hound Dog Taylor, John Little John, Smokey Smothers usw., da sie nie „produziert“ wurden und dadurch roh und ungeschliffen in ihrem Sound und Spiel blieben. Die alten Blues-Helden hatten allesamt ihren unverkennbaren, einzigartigen Ton und Ausdruck, der mich umhaut. Den erreicht man nicht mit einem Effektpedal 😉

Was fasziniert dich am Blues?

Insbesondere lebt diese Musik vom Rhythmus, vom Groove und vom individuellen Ausdruck des Interpreten. Man kommt mit wenigen Harmonien aus, kann im Prinzip gänzlich auf Arrangements verzichten und trotzdem enorm viel aussagen.

Wie entstand der Song Guitar Man?

Die Idee, über mein Leben mit der Gitarre zu schreiben, kam eines Tages spontan aus dem großartigen Gefühl heraus, meine Berufung leben zu dürfen. Anfangs nannte ich den Song „Born to Sing“, schlussendlich habe ich mich aber für „Guitar Man“ entschieden, da das Gitarrespielen meine Seele einfach noch tiefer berührt als das Singen.

Was inspiriert dich an der Gitarre als Instrument?

Die Gitarre fühlt sich an wie ein Teil von mir. Ein Sprachrohr für mein Empfinden, ein Spiegel meiner Seele und ein guter Lehrer – immer dann, wenn ich achtsam genug bin, darauf zu hören, was sich beim Musizieren in meinem Inneren gerade abspielt.

Spielst du auch andere Instrumente?

Ab und zu greife ich zur Mundharmonika, ansonsten bleibe ich aber bei dem, was ich kann 😉

Wie kam es zu der stilistischen Vielseitigkeit am aktuellen Album?

Im Blues geht es immer um die Wurzeln, die Roots – mit ihnen arbeitest du und versuchst, deinen eigenen Sound, dein Feeling zu finden. Mehr oder weniger stark angelehnt an das Schaffen meiner Heroes aus verschiedenen Zeiten und Orten entsteht diese Vielfältigkeit. Mir ist es wichtig, in meiner gesamten Arbeit den frühen Bluesmusikern Anerkennung zu schenken.

Wie haben die Musiker deiner Band das aktuelle Album Guitar Man mitgeprägt?

Wir haben das Album gemeinsam live im Studio eingespielt, was viel Spaß gemacht hat. Die Grundideen für die Interpretation der Songs habe ich mitgebracht und gemeinsam haben wir am Feinschliff gebastelt.

Warum stehen die meisten deiner Blues/Rock’n’Roll Songs am neuen Album in den Kreuz-Tonarten?

Grundsätzlich arbeite ich mit allen Tonarten. Jede hat ihre eigene Frequenz und bietet somit eine einzigartige Atmosphäre, die ich je nach Stimmung des Songs nutzen möchte.

Welche Songs coverst du gerne zuhause?

Songs, die den Akkorden und Stilen der Blues- und Rock’n’Roll-Musik nahe sind. Ich nehme gerne ein Stück zum Beispiel aus der Popmusik und mache meine eigene bluesige Version daraus.

Was für ein Modell ist die Yamaha auf dem Young and Restless Album-Cover?

Yamaha FG Series aus den 90ern – netter Klang, gut verarbeitet und preisgünstig.

War es deine allererste Gitarre?

Meine erste war eine Wanderklampfe zum Fingerbrechen. Vielleicht spiele ich deshalb bis heute mit viel Krafteinsatz 😉

Was gefällt dir an der Yamaha?

Ich habe die Yamaha vor langer Zeit hergegeben. Gibson-Gitarren bevorzuge ich, weil ich den warmen, blumigen Sound sehr mag.

Wie siehst du das Instrument Gitarre heute verglichen mit deinen Anfangszeiten?

Ich liebe sie wie eh und je. Heutzutage kann ich sie jedoch mal kurzzeitig stehenlassen, das war damals undenkbar, haha.

Was ist das Schönste am Musikmachen?

Für mich ist das Schönste am Musikmachen, wenn ich mich dabei selbst vergessen kann und alles „Sollen“ und „Müssen“ hinter mir lasse. Als Berufsmusiker ist es nicht immer einfach, doch es ist es wert, sich bewusst zu bleiben: Es geht um die Freude am Spielen, ums Fühlen und nicht darum, etwas präsentieren oder darstellen zu müssen.

Danke für das Interview!

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