I’m a Sloth – My Body is my Capital EP

In Wien stirbt alles, in Wien wird aber auch vieles wiedergeboren – so zum Beispiel der Grunge. I’m a Sloth sind eine 2009 gegründete Grunge Band aus Wien – Bernhard Drexler (Gitarre/Bass/Gesang), Flora Ska (Bass/Gitarre/Gesang) und Valentin Barta (Schlagzeug). Ihre neue EP „My Body is my Capital“ ist powered by ArGe-Musik.at auf dem Label Between Music im Februar erschienen und ist ein 18-minütiger Sturm, der von Jägern über Falschheit bis Influencern viele Phänomene der Welt heimsucht.

Es ist das erste Werk mit Schlagzeuger Valentin Barta, der 2018 einstieg und EP-Songs wie Fake Snake und Brainless Painless stark prägt. Der Song Brainless Painless vom letzten Album „Bosom“ wurde neu aufgenommen mit kratzigerer Gitarre. Und weniger geradem, mehr aufmischenden Schlagzeugbeat in den Strophen. Mächtig geblieben sind die nach dem Tempowechsel etwas langsameren, an Black Sabbath erinnernden Zwischen-Teile und die Courtney Love’esquen vocals der Strophen.

Für Abwechslung auf der EP sorgt Vieles: der leicht spacige Chorus Effekt (Fake Snake, Peace Joy Pancakes), bluesige Westerngitarre (My Body is my Capital), Gitarrensoli (Hunting Season, My Body is my Capital) Tempo-Wechsel (Fake Snake, Brainless Painless), Leise-Laut-Dynamiken (Peace Joy Pancakes) und der bekannte Wechselgesang von Drexler und Ska.

Neu im Sloth-Sound sind die härtesten Grunge-Gitarren des bisherigen Sloth-Schaffens in Hunting Season. Was weiters auffällt ist wie detailverliebt und punktgenau auf die Knarzigkeit des Bass-Sounds und das Stechen des Lead-Gitarrensounds klanglich hingeschraubt wurde. Ähnlich wie in Bloody Stupid Bio Machine vom letzten Album machen I’m a Sloth in Hunting Season viele Genre-Einflüsse zu einem, wenn nicht gar mittlerweile ihrem Genre. Grunge und Blues. Oder der Grunge-Blues.

Es klingt streckenweise wie wenn Jack White Anfang der 90er in Seattle gelebt und seinen eigenen Grunge-Sound praktiziert hätte. Dadurch dass später im Song Gesangsmelodie und Gitarrenmelodie einander imitieren, klingt es noch bluesiger und die Genres gehen wundervoll subtil ineinander über. Im Gitarrensolo schielt der Song dann gar mit erweiterter Pupille ins Psychedelische! Ein lebhafter und unberechenbarer Song.

Einzig in den Strophen von Peace Joy Pancakes steht die Welt, ist sie heil, wird aus All You Need is Love von den Beatles zitiert. Im Refrain hingegen ist die Welt wieder laut und lodernd. I’m a Sloth loten in dem Song über drei Strophen und drei Refrains die Wirkmacht der Leise-Laut Dynamik der Pixies und Nirvana voll aus.

Der Closer My Body is my Capital ist wie der Opener eine Zusammenkunft von Blues und Grunge. Es ist der ideale Schlusstrack – das Outro samt Gitarrensolo fühlt sich wie die Heimkehr von einer langen Reise an. Nach achtzehn Minuten zürnendem Grunge und Blues endet die EP abrupt und krachend.

Wenngleich sich die Welt der Influencer dem Grunge nicht immer beugt, I’m a Sloth wissen:

Der Teufel, dem Drexler wohl im Tausch für sein Gitarrenspiel die Seele gab, ist in seinen Saiten.

Die erdigen Grunge bzw. Blues-Hörer sind auf seiner Seite.

Sowie Cobain, der von der Himmelswolke lächelt.

My Body is my Capital ist eine durchdachte, vielseitige EP, die in mehreren Richtungen Neues ausprobiert: Eine EP, die auch andere Songstrukturen und Tempowechsel vollzieht, die den Songs Fake Snake und Brainless Painless in der Mitte der EP ein Eigenleben geben. Eine EP, die die härtesten Grunge-Gitarren des bisherigen Schaffens (Hunting Season) und die friedvollsten, un-grunge-igsten Gitarren (Peace Joy Pancakes) auslotet.

Eine EP als konsequente Weiterentwicklung, so ausgereift, dass man ihr das Probieren im Endresultat kaum mehr anmerkt. Denn I’m a Sloth waren sich musikalisch und textlich wohl noch nie so sicher, wo sie in der Welt stehen, wie auf der „My Body is my Capital“-EP.

 

 

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