Moritz Molnar im Interview: „Die Akkorde sind mir auf der Rax in die Hände gefallen“

Moritz Molnar auf einem Pressefoto
Moritz Molnar, (c) Hans Molnar

Moritz Molnar hat vor kurzem sein erstes Solo-Album „Leave the Ones Who Already Left You“ veröffentlicht, das von 90er-Alt-Rock geprägt ist und auch Akustik-Folk einstreut.

Im Mail-Interview spricht er über den Entstehungsprozess des Albums, welche Musik er zuhause covert und was er am Liederschreiben und LIve-Spielen schätzt.

Klangskizzerei: Wann entstand dein Solo-Projekt in einer konkreten Form?

Moritz Molnar: Eigentlich war es nie geplant ein Solo-Projekt zu starten. Mein einziger Band Kollege bei Of Kings And Villains (Drummer ; Rock Duo) hatte eine Verletzung und konnte eine geraume Zeit nicht spielen. Er würde mein Solo Album mischen, wenn ich eine Band zusammenstelle und so tat ich das auch. So konnten wir weiter gemeinsam arbeiten und uns wegen der Musik sehen und hören. Songs hatte ich genug in petto, etwas an die 30 Stuck. Davon habe ich dann einfach 10 ausgesucht und dann musste man nur noch starten.

Welcher ist der älteste Song in seinem Ursprung?

Das muss ,Kind“ sein. Den habe ich in schon in meiner zweiten Musiker-WG vor circa 9 Jahren geschrieben.

Du hast mit vielen Bands bis jetzt released, was macht dein erstes Solo-Album aus deiner Sicht anders als deine bisherigen Alben?

Der große Unterschied war, dass man auf niemanden warten muss. Bei meinen vorigen Bands habe ich immer auf Menschen und vor allem Freunde gewartet. So entstanden zwar doch EPs oder einzelne Singles, aber nie ein Album. Meine Rede war es immer, dass man in einem Jahr ein ganzes Werk releasen kann. Mit dem Album waren es mit Probenbeginn sogar nur 362 Tage bis die Platte mit der Post kam.

Seid ihr Built to Spill Fans? das Schlagzeug und die perlende Gitarre in den Strophen von Not Even Close und dem Mittelteil von Kind erinnern mich irgendwie daran

Ich hab sie gerade googeln mussen und muss sagen, dass du recht hast. Leider kannte ich sie nicht – danke dir!

Wie haben 90er-Art-Rock Bands das Album konkret beeinflusst?

Ich bin großer Fan von „Chavez“, „Sonic Youth“ und „Pixies“ und das kann man meinem Songwriting auch gar nicht abstreiten. Was mir daran gefiel, dass sie damals nicht so klangen wie der Mainstream und das war auch gar nicht ihr Anspruch. Ich habe mich überhaupt nicht darum geschert, was gerade aktuell ist. Wahrscheinlich weiß ich es auch nicht. Ich fühle mich da irgendwie verbunden. Wenn man so Kunstkram Zeug macht, ist man sowieso ein Freak, also warum nicht gleich sagen, bevor sich jemand auch noch einen Four Chord Song wünscht.

Wie viel von dem Album ist im Home Recording entstanden und wie viel in einem Studio?

Alles im Studio. Wir haben live eingespielt und dann habe ich drüber gesungen. Ein paar Gitarren da und dort ergeben die Dopplung und das wars im Endeffekt. Kein großer Schnick Schnack, einfach die Songs so wie sie sind. Außerdem finde ich, dass es immer gut ist, an einen Ort zu gehen, wo nicht der Alltag herrscht. Sonst hängt man wahrend der Takes die Wäsche auf und wartet auf das Amazon Packerl.

Worauf hast du/habt ihr besonderen Wert gelegt, damit das Album so klingt, wie es klingt?

Nachdenken bevor man ins Studio geht und nicht wenn man drinnen ist. Da sollte man nur noch fühlen und die Energie nutzen die man an dem Tag hat. Wenn du sauer bist, spiel grindiger. Wenn dich der Song grad berührt, spiels gefühlvoller. So wie ein Mensch halt eben ist. Ganz wichtig war mir auch, dass es natürlich ist, keine „Verbesserungen“ oder künstliche Effekte genutzt werden. Und natürlich, dass Felix Kirsch mischt. Ein Held am Pult!

Was liebst du an deiner roten Rickenbacker-Gitarre?

Ihren unkonventionellen Sound, den schicken Look und dass es ein gutes Werkzeug ist, um rotzig zu spielen. Außerdem bin ich großer Paul Weller Fan und spiele zuhause heimlich seine Songs mit dem Teil.

Moritz Molnar sitzend in Restaurant, ein Pressefoto
Moritz Molnar mit roter Rickenbacker: „bin großer Paul Weller Fan“, (c) Hans Molnar

Was hat die Texte am Album inspiriert?

Ich habe viele Freundschafts- und Vertrauensbrüche, Wut, Selbstwirksamkeit und Hoffnung reingestreut, weil das die Gefühle waren, die mich beim Schreibprozess am meisten beeinflusst und geplagt haben. Das Album ist keine Kur Kost, aber dafür ist Musik ja eigentlich auch nicht da, finde ich.

Wie entstand das Lied Keys?

Keys habe ich geschrieben, als ich mit meiner Freundin Ida ein schönes Gesprach darüber hatte, dass man nur selbst derjenige ist, der die Schlüssel zum eigenen Ich-Sein in der Hand hat und man sich nicht von anderen abhängig machen sollte. Die Akkorde sind mir auf der Rax in die Hände gefallen, wo ich mit meinem besten Freund das gleiche Thema besprochen habe. Als Ida auf Urlaub war, wollte ich ihr den Song unbedingt schicken und habe die Demo Version, die auch online zu finden ist, aufgenommen und ihr geschickt. Am Album habe ich den Song nochmal aufgenommen.

Auf Instagram steht, du hast in verschiedenen Locations und Orten die Lieder geschrieben — Wo sind die Lieder entstanden?

Am liebsten in der Ubahn oder auf meinem Balkon. Auch manchmal in der Küche meines besten Freundes oder auf dem Sofa bei Ida. Wichtig ist, dass dort Dinge geschehen, die mich meinen Job machen lassen und ich schreiben kann.

Welcher der Wege einen Song zu schreiben, funktioniert für dich persönlich am besten?

Wenn man keine Termine hat und ich was zum Schreiben habe.

Was liebst du am Liederschreiben?

Dass es gleichzeitig ein Handwerk ist, aber auch das innerste nach außen kehren kann. Es kann beängstigend sein, wenn man erst versteht, aus welcher Emotion heraus Musik entsteht. Wichtig ist, dass man dann nicht versucht, diese Emotionen künstlich zu erzeugen. Dann geht die Magie flöten.

Was bringt die Zukunft für das Projekt?

Viel Fokus, viele Konzerte und das nächste Album, dass ich bereits plane!

Wie hast du die Album-Release Show im Cafe Carina erlebt?

Das Cafe Carina war kleschvoll, was mich unglaublich freute, und wir als Band waren in Topform. Es war extrem emotional und wir hatten eine Wucht, die ich jedes Mal mitbringen werde.

Was ist das Schönste am Live-Spielen?

Dass es jedes Mal anders ist. Man kann weder sich, die Venue, noch das Publikum kontrollieren und das ist auch gut so. Wir spielen nicht mit durchgetakteten Showplanen und fixen Setlists. Wenn der Refrain zweimal gespielt werden muss, dann passiert das eben. Und wenn wir mehr dreschen müssen, weils der Song an dem Tag braucht, dann machen wir das. Schaut euch solche Bands an! Die geben dir einen ganz anderen Kick, als Macbook Bands mit Playbacks und Click im Ohr.

Danke für das Interview!

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