
I’m a Sloth haben letztes Monat in der Szene Wien nach vier Jahren Pause ihr Live-Comeback gegeben. Im Mail-Interview erzählt Sänger/Gitarrist Bernhard Drexler über neue Lieder, Erinnerungen an die Show mit Mudhoney, wie das Zeichentrick-Video zu Titanic entstand und welche Zutaten der perfekte Grunge-Song braucht.
Klangskizzerei: Wie habt ihr die Comeback-Show in der Szene Wien erlebt?
Bernhard Drexler: Die Comeback-Show war wirklich super schön! Das Publikum war auch sehr begeistert und wir haben viele alte Freunde und Bekannte wiedergesehen. Und alle haben gemeint, dass man die Pause von 4 Jahren nicht gemerkt hat 🙂
Wie viel neues Songmaterial ist in den letzten vier Jahren entstanden?
Es sind um die 15 Songs entstanden. U.a. hab ich mich dazu gezwungen alte Lieder, die ich nie fertig gemacht hab, endlich abzuschließen. Ich hab aber auch sehr viel neue Musik geschrieben. Einige Songs davon haben wir auch schon geprobt. Thematisch geht es bei den Liedern um Politik, Faulheit, Ladendiebstahl, Liebe und die Zwiespältigkeit des Lebens.
Wie klingen die neuen Lieder, die ihr gerade schreibt und probt?
Teilweise gehen die Songs in Richtung Stoner, aber auch Indie Rock, fuzzy 60ies Garage-Riffs und natürlich auch Grunge ist dabei 🙂
Was liebt ihr am Liederschreiben?
Dass man sich frei und künstlerisch ausdrücken kann und aussprechen darf, was man sonst vielleicht nicht sagen würde. Dass man sich Dinge von der Seele oder der Leber schreiben kann, die einen beschäftigen oder aufregen. Ich verpacke aber Dinge auch gerne in Metaphern, um manches nicht zu offensichtlich oder plump zu machen bzw. sodass man sich auch selbst was dabei denken kann.
Welche Zutaten braucht der perfekte Grunge-Song?
Ein geiles Riff, verzerrte Gitarren, einen kryptischen Text, markerschütternde Schreie, einen knackigen Bass und fette Drums.
Was bedeutet euch Grunge?
Grunge war für mich die wichtigste musikalische Entdeckung nach Punk und ist nach wie vor eines meiner liebsten Genres. Keine andere Musikrichtung hat mich in meiner Teenagezeit so abgeholt wie Grunge.
Wie habt ihr die Support-Show für Mudhoney in der Szene Wien 2016 in Erinnerung?
Ich denke gerne und oft an die Show mit Mudhoney zurück. Es war ein heißer Sommertag und wir liefen gleich mal Mark Arm über den Weg als wir ankamen. Danach saß die Band im Hof der Szene und alle schauten auf Facebook. Ich glaub sie hatten auch ihre Wäsche zum Trocknen aufgehängt und wollten vor ihrem Auftritt noch Schnitzel essen gehen. Die Band war auch so freundlich unsere CDs, ein Shirt und ein Big Muff-Pedal zu unterschreiben. Wir haben an dem Abend als dritte Nummer im Set den Mudhoney-Song „Suck You Dry“ gespielt und wie der Zufall es so wollte haben auch Mudhoney dieses Lied als drittes rausgehauen.
Wie und wann kamst du zum händischen Konzerte-Flyer zeichnen für I’m a Sloth und weitere Bands?
Ich fand immer schon handgezeichnete Flyer und Poster super cool und wollte das auch so für unsere Band machen. Es ist der einfachste und direkteste Weg und ich bin großer Freund davon so viel wie möglich selbst zu tun. Wir waren dann auch jedesmal viel flyern und plakatieren für die Shows und nach und nach kamen immer mehr Leute auf mich zu, die auch was gezeichnet haben wollten. Sei es Flyer, Albumartworks oder einfach nur so ein Bild.
Wie entstand das Musik-Video zum Song Titanic vom Album „Bosom“?
Die ursprüngliche Idee war es historisches Filmmaterial zu verwenden, aber da wir keine Copyright-Probleme riskieren wollten, kam die Überlegung es als Zeichentrickvideo umzusetzen. Ich hab ca. zwei Monate dafür gebraucht und finde das Resultat nach wie vor sehr cool. Post It-Daumenkinos hatte ich damals schon viele gezeichnet, aber „Titanic“ war dann mein erstes richtiges Zeichentrickvideo. Und der oscarnominierte US-Animator Bill Plympton hat uns mal geschrieben: „I liked your music video – nice song and nice animation.“
Was hat dich dazu inspiriert, die Gitarre auf autodidaktischem Weg zu erlernen?
Als ich als Teenager mit Nirvana’s Musik in Berührung kam, wollte ich unbedingt Gitarrespielen lernen, aber um meine Kunst so pur wie möglich zu halten wollte ich keinen Lehrer und habe deshalb begonnen mir das Spielen selbst beizubringen. Nach einem Konzert hat mir mal jemand gesagt, dass er mir genau auf die Finger geschaut hat und er meinte, er würde auch gerne wieder so spielen können, da er durch seinen Unterricht genau eingetrichtert bekam welcher Finger was greifen soll und wo hin muss und ich mach das einfach so nach Gefühl und aus dem Bauch heraus und wie es sich halt ausgeht.
Was gefällt dir an deiner Fender Jaguar-Gitarre?
Die Fender Jaguar ist für mich die ästhetischste Gitarre, die ich kenne. Außerdem hat sie einen super Sound, ist einfach unglaublich gut spielbar und wunderschön. Ich hab auch eine Mustang und eine Jazzmaster, aber ich komme immer wieder zur Jaguar zurück.
Wie entstand der Opener Hunting Season von eurer aktuellen EP „My Body is my Capital“?
Ich wollte damals schon länger einen Song gegen Tierquälerei schreiben und habe über die Jahre Zeitungsartikel zu dem Thema gesammelt, da ich das Thema so schlimm finde und ich mich dazu äußern wollte. Dadurch ist dann diese ziemlich angefressene Nummer gegen Wilderei und Tierquälerei herausgekommen. Die erste Version des Textes war im Dialekt geschrieben, aber ich hab mich dann wiedermal für Englisch entschieden, weil es einfach die universellere Sprache ist.
Wie und wann kam der Blues in das Songwriting von I’m a Sloth?
Ich hab früher sehr viel Led Zeppelin, White Stripes und viel 60s Musik gehört, auch die Schweizer Band Navel war ein großer Einfluss damals. Da diese Bands viele alte Bluessongs gecovert haben, hab ich mich wiederum mit diesen Musikern beschäftigt. Flora hat mir dann noch dazu das CD-Box-Set „The Roots Of Led Zeppelin“ geschenkt und ab da war meine Leidenschaft für den Blues vollkommen geweckt.
Wie entstand der Closer und Titeltrack der EP My Body is my Capital?
Ich hatte die Musik und die Textzeile „My Body Is My Capital“ und wusste auch schon an welcher Stelle im Song die Zeile sein sollte, aber die restlichen Lyrics hat Flora dann dazugeschrieben. Das Riff ist auch erst nach und nach entstanden. Der ersten Versionen gingen in eine ganze andere Richtung. Ich hab auch vor kurzem eine akustische Blues-Variante des Liedes aufgenommen, die ich schon lange machen wollte, bin aber noch nicht dazugekommen sie ein wenig zu mischen.
Was bringt die Zukunft für I’m a Sloth?
Ich hoffe viele coole Konzerte und viele coole Alben. Ich hätte auch schon einen Titel für die nächste Platte. Das muss ich aber erst noch meinen Bandkollegen erzählen 🙂
Was ist das Schönste am Live-Spielen?
Die Freiheit sich gar nichts scheißen zu müssen und komplett die Sau rauszulassen.
Danke für das Interview!
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Gitarrenmusik und Konzertskizzen
