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„A Tribute to Jason Molina“ im Fluc: Zwischen magischer Magnolia und blauer Melancholie

„I will be gone, but not forever“

„You might be holding the last light I see / before the dark finally gets a hold of me“ – zum 4. Todestag Jason Molinas leuchteten eine Vielzahl österreichischer Bands die metaphorische Dunkelheit aus, die dem kreativen Schaffen seiner Bandprojekte Songs: Ohia und Magnolia Electric Co. wie seiner Soloprojekte innewohnte, und ließen sein Lebenswerk im farbigen Lichterglanz der Fluc-Bühne erstrahlen.

Jason Molina war Americana-Veteran, der seit den 90ern mit unerschöpflichem kreativen Output in den Fußstapfen Will Oldhams und später in der Tradition Neil Youngs Amerika durchquerte.

Molina sang über das Leben, das er lebte, lebte das Leben über das er sang. Seine metapherreiche Sprache von Einsamkeit, Geistern, Mitternachtsmelancholie und Depressionen, spiegelte sich in seinem Leben wider, wie ein blauer Mond in einem einsamen Highway – ein mondbeglänzter Highway, der im März 2013 verfrüht sein Ende fand. Alkoholbedingtes Organversagen.

Das Fluc ließ ihn heute aufleben, gab mit diesem Abend der selben alten Einsamkeit, wie sie in Just be Simple besungen wird, eine neue Adresse, wo die Einsamkeit im Kollektiv zelebriert wurde. Es sollte ein großer Abend werden.

Das schummrige Lokal füllte sich langsam, Videoimpressionen mal in schwarz-weiß, mal in Farbe flackerten zu Molina-Songs über der Bühne und stimmten auf das Konzert ein

Simon Usaty, Mitorganisator des Abends und Mastermind von Protestant Work Ethic, eröffnete den Abend. Er spielte Solo mit Akustikgitarre und zog das Publikum gleich mit seiner Singstimme die bis ins kleinste Detail jener Monlinas glich, in den Bann. Zum Abschluss seines 4-Song Sets packte er für eine pickingtechnisch anspruchsvolle Bluegrass-Version von I’ve been riding with the Ghost das Banjo aus und stellte seine Gesangsfertigkeitenl und seinen Stimmumfang ein weiteres Mal unter Beweis.

Die eigens für den Tribute-Abend gegründeten, und nach Molinas Album passend benannten Josephines, spielten im vollen Band-Setup Alone with the Owl, Texas 71, Tigress und Hope Dies Last.

Für die nächste Band The Ghost and the Machine die heute ohne Schlagzeuger auftrat wurde der mächtige Kontrabass erst auf die Bühne gehievt. Resonator-Gitarre aus dem frühen 20. Jahrhundert und der 120 Jahre alte Kontrabass im Line-Up vermittelten ein zeitloses Bild.

Diese edle Instrumenten-Auswahl prägt den Sound stark – die warme hölzerne tiefe Klangfarbe des alten Kontrabass trifft auf die metallischen Obertöne der Resonatorgitarre und erzeugt eine immense Spannung, die auf das Publikum überspringt. Besonders Two Blue Lights toppte das Original vom Gitarrensound her, die metallen schneidende Molina-Version wird noch übertrumpft – die Resonatorgitarrenklänge hatten eine Scharfkantigkeit wie Messer aus Voest-Alpine-Stahl. The Ghost and the Machines schwarz-weiß gehaltene Albencover und Bandbiographie-Zitate wie „ein Bild von Van Gogh hat mehr Blues als ein neues Eric Clapton Album“ untermauern diese gelebte Zeitlosigkeit.

Die Musiker des Abends variierten wie bei Covers üblich die Gesangsmelodien, und es fehlte auch nicht an Ideen mit anderer Instrumentierung zu experimentieren und die Molina Songs mit der eigenen künstlerischen Handschrift zu versehen. So gab es an diesem Abend drei unterschiedliche Versionen von I’ve been Riding with the Ghost, jede davon in ihrer eigenen Art spannend.

Besonders experimentierfreudig war die in Wien lebende Schweizer Sängerin, Bass- und Ukulelespielerin Eloui . Sie lotet gerne Genregrenzen aus, fabrizierte auf ihrem 2015 erschienen Album Tangles and Loose Ends aus Electronic Klängen, Samples und allerlei Geräuschen ihr eigenständiges, handgemachtes, mal verwobeneres, mal loseres Pop-Klanggewebe. Heute interpretierte sie Molina-Songs mit Ukulele und mit dem Bläserensemble der Steakhouse Horn Section. Das Experiment ging auf. Mit Lioness, Tigress und Just be Simple gab sie gleich drei besonders gute Beispiele für an originellen Metaphern reiche Beziehungssongs Molinas zum Besten.

Die Americana Institution Wiens sind wohl die erfahrenen Lost Compadres, bestehend seit 2003. Ältere Herren deren Americana/Roots Rock mit dem Alter immer besser reift – ein wenig wie der Wein auf einem ihrer Bandfotos, oder der Humor in den Ansagen zwischen den Songs.

Sie widmeten Jason Molina ein Cover des Creedence Clearwater Revival Songs Molina, der weit vor Molinas Musikerkarriere veröffentlicht wurde, und feierten die Ironie. Sie begleiteten den Song mit ganz klassischen fetzenden Rock’n‘Roll Riffs im Stile Chuck Berrys (der leider gestern verstarb, R.I.P. an dieser Stelle). Ein weiterer Stimmungshöhepunkt des Abends zu dem das Publikum das Tanzbein schwang.

An einem Americana/Alt. Country abend darf natürlich die Lap- bzw. Pedalsteel-Gitarre nicht fehlen, diese erklang jedoch erst mit dem Song Hold on Magnolia. Sie klagte mit ihrer offenen Stimmung und ihren gefühlvollen Glissandi ihr Leid, während der Schlagzeuger Florian Krämmer den Leadsängerpart übernahm und die magnolienfarbenen Melodien in die Länge zog und nur ganz langsam verblassen ließ.

Bo Candy spielte mit Talk to me Devil, Again, Whip-Poor-Will, What Comes After the Blues und The Dark Don’t Hide It ausschließlich Stücke aus Molinas Magnolia Electric Co. Bandprojekt.

Die Wiener Destroyed but not Defeated stellten danach eindrucksvoll unter Beweis, dass sie mehr als ihren 90er US-Independent Rock beherrschen, und schlugen auch emotionalere Saiten an. Sie spielten u.a. Cabwaylingo aus dem Songs: Ohia Debütalbum und Blue Chicago Moon vom Album Didn’t it Rain.

Elsa Tootsie and the Mini Band rundeten schließlich den Abend mit Songs wie John Henry Split my Heart und Trouble Will Find You gelungen ab.

Was den Abend so besonders machte war wohl die Wertschätzung Molinas, die in den gefühlvoll vorgetragenen Songs, wie in den Ansagen zwischen den Songs mitschwang. War wohl der kleine musikfamiliäre Rahmen des Fluc. War, dass Musiker und Publikum an diesem Abend eins waren.

Und mit den Josephines war sogar eine Band gegründet worden.

„For once, almost was good enough“, schließt Molina im Song Almost Was Good Enough. Doch der Abend war mehr als bloß gut genug, war mehr als bloß eine halbe Sache, war mehr als bloß ein simpler Tribute-Abend.

Aus Einsamkeit war an diesem Abend im kleinen Rahmen des Fluc Zusammenhalt geworden.

Und so schlenderten die Konzertteilnehmer noch immer ergriffen in den Gefühlswelten zwischen magischer Magnolia und blauer Melancholie über den Praterstern durch die Märznacht nach Hause, zurück zur ursprünglichen Adresse der selben alten Einsamkeit.

Protestant Work Ethic

Josephines

The Ghost and the Machine

Eloui

Lost Compadres

Bo Candy

Destroyed but not Defeated

Elsa Tootsie and the Mini Band

Fluc

 

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