
Celestial Guard sind eine seit 2020 bestehende Wiener Band in der Tradition von The Gun Club, Suicide, Crystal Stilts, The Jesus and Mary Chain, The Doors und The Velvet Underground. Im Mail-Interview sprechen Ronald und Joe über die Entstehung der Band und wie sich die beiden das Songwriting aufteilen und was Ronald an der Literatur fasziniert.
Wie kamt ihr zur Musik?
Ronald: Ich habe erst mit Ende 20 begonnen wirklich Musik zu machen. Ich habe mich eher sehr leidenschaftlich als Hörer mit Musik beschäftigt. Ich hatte jahrelang eine Bassgitarre herumliegen, aber es hat mich nicht wirklich interessiert. Später ist mir dann der Knopf aufgegangen. Dieses Gefühl, wenn man etwas macht, spielt und plötzlich greift es ineinander, das ist magisch.
Joe: Bei mir war es Anfang 20, ich habe damals als Techniker im Wiener Theater Metropol gearbeitet und hatte da einen Arbeitskollegen namens Manu, er war/ist ein sehr guter Bassist. Ich war fasziniert! Er hat mir eines Tages seinen Bass in die Hand gedrückt und gemeint, du kannst das auch.
Welcher Musiker hat euer Leben verändert und wie?
Ronald: Joe. Ohne ihn gäbe es Celestial Guard und mich in dieser Form als Musiker und auch als Performer nicht.
Joe: Das kann ich genauso zurückgeben. Ohne Ronald würde es Celestial Guard nicht geben.
Wie entstand Celestial Guard?
Ronald Raimund: Zufällig. Wir haben uns vom Sehen gekannt, wir waren im selben Proberaum eingemietet. Einmal kam es zu einer Doppelbuchung des Proberaums. Joe hat uns in den Raum zum gemeinsamen Musizieren eingeladen. Wir haben uns als Folge dann einmal zu zweit getroffen, um auszuprobieren, ob da etwas harmonieren könnte. Porcelain und Born in Purple sind dann in ihren Grundfesten im Rahmen der ersten beiden Treffen entstanden.
Joe: Eine schicksalshafte Doppelbuchung kann man so sagen. Das Spannende daran ist ja, dass mich Ronalds Dance Moves bei unserem ersten Jam vollends überzeugt haben. Seine Stimme konnte ich da eigentlich gar nicht wirklich hören, da alle anderen Instrumente so laut waren. Drei Wochen später habe ich Ronald dann angerufen und ihn gefragt, ob wir nicht etwas zusammen probieren wollen, denn wenn sich jemand so bewegt, dann macht das auf der Bühne was her.
Ronald: Das mit dem Tanzen finden wir beide im Rückblick besonders witzig, weil ich live eher direkt am Mikrofon stehe und mich gegebenenfalls der Körperarbeit widme. Ich halte mich quasi am Mast fest, während der schwarze Ozean unserer Musik stürmt.
Schreibt ihr die Songs zu zweit in Co-Songwriting Sessions oder alleine?
Ronald: Die Domänen sind klar und amikal abgesteckt, ich nenne es scherzhaft das Doppelkönigtum. Joe betätigt sich im und glänzt am Feld der Musik, ich bin für die Gesangsmelodien und Texte zuständig. Manche Songs entstehen so, dass sie instrumentalmusikalisch nahezu abgeschlossen zu mir gelangen, manche entstehen im Kern gemeinsam im Proberaum. Joe spielt Bass oder Gitarre und ich singe in Fantasiesprache dazu. Alles ganz ungezwungen. Wenn die Sterne günstig stehen, und das tun sie durchaus öfter, kann man Joe erleben, wie er innerhalb kürzester Zeit und in einem eruptiven Schöpfungsrausch im Proberaum Bass, Gitarren, Schlagzeug usw. aufnimmt.
Wie entstand der Song Porcelain?
Ronald: Ich glaube, im Rahmen des ersten oder zweiten Mal gemeinsamen Musizerens hat Joe die Bassline improvisiert, ich dazu den Gesang. Musikalisch wurde dann über längere Zeit behutsam Schicht um Schicht übereinander gelegt und teilweise bildhauerisch wieder abgetragen. Schlussendlich erhielt das Lied von Wolfgang und Joe in der Produktion den gültigen, dunkel funkelnden Schliff. Julian hat sich mit einer fantastischen Darbietung an der Gitarre ausgezeichnet.
Meiner Erinnerung nach handelt es sich um den ersten Text, den ich für Celestial Guard geschrieben habe. Es hat ein bisschen gebraucht, bis er fertig war, weil ich erst herausfinden musste, wie ich für diese Band texten muss.
Joe: Ja, das war bei unserem ersten Treffen. Wir wussten da noch nicht mal, was wir überhaupt machen wollten. Ich war zu der Zeit sehr von Crystal Stilts, IDLES und Viagra Boys inspiriert. Wenn man sich aber richtig aufeinander einlässt und wirklich nur das anzapft, was sich im Raum befindet und die anderen Einflüsse vor der Tür lässt, kommt unweigerlich nur das zum Vorschein, was schon viel länger in einem schlummert.
Der Refrain klingt sehr schön nach Slowdive, ist jene Band ein Bezugspunkt gewesen?
Ronald: Wir machen unsere Lieder aus dem Bauch heraus, sie sind voll von unseren Einflüssen, aber nichts soll bewusst geschehen. Die Antwort ist daher nein, aber es ist ein schmeichelnder Bezug.
Joe: Ich muss gestehen, ich kenne Slowdive nicht einmal.
Welche Bands hört ihr innerhalb der Band gerne?
Joe: Einigen können wir uns zum Beispiel immer auf The Doors, The Velvet Underground und Crystal Stilts. Ronald ist auch stark dafür zu haben, wenn die Drum Machines böllern und die Synthesizer ihre Engelsstimmen erheben. Da verliert er mich dann. Ronald sind dafür Aerosmith und Pearl Jam unverständlich geblieben. Auf Bruce Springsteen können wir uns einigen.
Wie haben die einzelnen Bandmitglieder jeweils den Sound auf dem Debütalbum Ruinous Powers geprägt?
Joe: Im Prinzip haben wir bei unseren ersten gemeinsamen Sessions die Grundpfeiler unseres Sounds eingeschlagen. Ganz lange gab es auch nur uns beide in der Band, was unseren ganzen Prozess sehr klar und selbstbewusst gemacht hat. Wenn einem von uns etwas am Sound, an den Melodien oder am Text nicht gefällt, dann sagen wir das dem anderen auch.
Wie entstand die Idee mit dem Velvet Underground Tamburin in Ridicule and Ruin?
Joe: Das war keine bewusste Anlehnung an The Velvet Underground. Ich habe mich einfach ans Schlagzeug gesetzt und gefühlt 100 Takes eingespielt. Da der Groove so viel Raum hatte, kam ich dann auf die Idee, ein Tamburin auf die HiHat zu legen.
Woher schöpft ihr Inspiration für eure Texte?
Ronald: Aus allem. Vor allem ist es aber die Jagd nach dem Gefühl, dass einem etwas glückt. Das Gefühl ist selten, manchmal trügerisch und hält nicht lang an. Dann jagt man weiter.
Eure Youtube-Video Beschreibungen sind sehr literarisch – findet ihr für die Songs auch Inspiration in Literatur?
Ronald: Literatur ist das Größte für mich. Ich schaue andächtig aus tiefster Froschperspektive zu meinen literarischen Säulenheiligen auf, als ewiger Lehrbub.
Was inspirierte den Text zu Pied Piper?
Ronald: Die Kinderkreuzzüge.
Welche der Songs für Album zwei habt ihr bereits live gespielt?
Joe: Weakness is a Choice, Electric Eden, Heaven on Earth und Long Liver the King. Bald kommen hoffentlich zwei weitere dazu.
Was wollt ihr bei Album zwei anders machen als beim Debüt-Album?
Joe: Am Schreibprozess haben wir gar nichts geändert, einzig einspielen will ich diesmal weniger selbst und mich mehr auf mein Bassspiel und das Produzieren konzentrieren.
Danke für das Interview!
Celestial Guard spielen live am:
Wenn euch die Musik von Celestial Guard gefällt, geht auf Konzerte und folgt Celestial guard auf instagram
Wenn ihr mehr Interviews mit österreichischen Musikern/Bands lesen wollt folgt klangskizzerei auf instagram oder abonniert den untenstehenden Interview-Newsletter.
Gitarrenmusik und Konzertskizzen
