The Jesus and Mary Chain Konzertankündigung / Künstlerportrait

Aus ihren legendenumwobenen 20 minuten-Gigs auf Amphetaminen mit dem Rücken zum Publikum sprach und lärmte der pure Rock n Roll – die publikumsblinde Zerstörwut der Gitarre Jim Reids im Feedbackgewitter und darüber die sinister dahingehauchte Stimme William Reids. Die Auftritte ernteten Bierflaschen und entfachten Krawalle. Die Gewalt klang im Laufe der Karriere ab, der unverwechselbare Gitarrensound aber nicht.

Ihre Musik war eine Mischung aus den Noise-Anleihen der Velvet Underground, dem Pop-Songwriting der Beach Boys und dem hallgetränkten Schlagzeugsound wie man ihn von den Produktionen Phil Spectors kennt; eine honigsüße Zerstörwut. Die Schotten ließen den kreativen Einsatz des Gitarrenfeedbacks, der nach dem Aufkommen in den 60ern in den Studioproduktionen der 80er wieder in Ungnade gefallen war, wieder aufleben und waren so ein entscheidender Einfluss auf alle folgenden lärmaffinen Bands wie Dinosaur Jr oder die Shoegazing Szene.

Ihre Songs und das Image der Band ersannen sie fünf Jahre lang zu zweit zu Hause. Ihren Rock’n’Roll lebten sie also anfangs „on the dole“ – dem britischen Arbeitslosengeld. Danach lebten sie ihn auf größeren Bühnen und unter den Fittichen des Managers und Bosses von Creation Records Alan McGee. The Jesus and Mary Chain waren, noch vor den Gallaghers also, das erste zerstrittene Gebrüderpaar, das McGee unter Vertrag genommen hatte.

Die Band ging bei den Aufnahmen, anders als bei den Auftritten, nüchtern und perfektionistisch vor; man wollte ein Album aufnehmen das die Zeiten überdauern würde – und das tat es.

Während Psychocandy die heilige Kulmination des Lärms war, wich dieser Lärm am Folgealbum Darklands  – es klang ein neuer verfeinerter Gitarrensound durch, sowie hervorragend geschriebene Songs, welche mit so wohldurchdachtem Song- und Melodieaufbau glänzten, dass die geringe Anzahl an verwendeten Akkorden überhaupt nicht ins Gewicht fiel. Somit wurde allen Kritikern, die die Band damals auf den bloßen Lärm reduzierten, mit hervorragenden Songwriting getrotzt.

Nach vier weiteren respektablen Alben gingen die Gebrüder Reid 1998 dann schließlich auseinander. Die Band löste sich 1999 offiziell auf.

Ihre Legende lebte wieder neu auf als die zerstrittenen Gebrüder sich 2007 beim Coachella Festival wiedervereinigten. Nach einer 30-Jahr-Jubiläumstour für Psychocandy im Jahre 2015 gab es 2017 dann endlich auch wieder ein neues Album: „Damage and Joy“, welches diesen Samstag dem 14ten Oktober, ergänzt mit allerlei alten Klassikern, in der Ottakringer Brauerei in Wien präsentiert wird.

Es wird laut und lärmig, aber auf eine wunderschöne Art.

 

 

Kommentar verfassen