Contact High – Lessons from Defeat

191792Lonely Nights, Little Lies hieß ihre erste Single die 2012 in offizieller Form das Licht der Grazer Bühnen erblickte. Contact High, damals textlich melancholisch, aber musikalisch noch in unbekümmerter Strokes/Babyshambles-Schrammel-Attitüde erschrammelten sich bald einen Ruf als gute Live-Band, teilten sich die Bühne mit namhaften Acts.

Die Nächte nach den umjubelten, rampenlichtdurchtränkten Gigs wurden dunkler, einsamer, erdrückender und mit ihnen auch der Sound der Band. Nach der On the Run EP 2013 packen Contact High auf das Debütalbum Lessons from Defeat nun Erfahrungen und Lektionen dieser langen Schaffensphase in Form von zehn gereiften Songs zwischen 90er Alternative-Rock, 2000er Garagerockrevival und Stoner-Rock.

Und mit Blood and Tears (Make for Good TV) eröffnet das Album gleich mit einer vollen Ladung energiegeladenem Stoner Rock im Stile Wolfmothers mit eindringlichem Gesang. Dass das Album im ehemaligen Stoner Rock Mekka Kalifornien von Gavin Lurssen gemastered wurde, der seine Meisterhände auch bei den Queens of the Stone Age im Spiel hat, hat dem Sound hörbar geholfen. Der Sound ist live wie auch auf Platte eine Wucht. Laute Gitarrensalven, drückende Basslines, wuchtig hämmernde Drumgrooves. Speziell die Orgelpassagen durchtönen und betäuben die Ohren wie ein berauschendes Konzert.

Songs wie die spätnächtlichen Low und Vienna, TX zeigen, dass die Band seit den ersten Veröffentlichungen der Lonely Nights, Little Lies Single und der On the Run EP eine enorme Entwicklung genommen hat. Mehr Melancholie, freiere und losere Songstrukturen, noch lebendigere Basslines und noch länger ausufernde, bluesige Gitarrensoli. Die Einfach- und Direktheit der früheren Garagenrocksongs ist Vergangenheit.

Das alte Schlagzeug aus Lonely Nights Little Lies wurde auseinandergenommen, in der Garagenecke verstaut und durch ein größeres, neues ersetzt. Man warf zwei Bandmitglieder durch das Garagentor hinaus, holte Ersatz. Man wuchs in die Instrumentenrollen hinein, man feilte am neuen, rockigeren Sound, man polierte die Garage auch etwas.

Und agiert nun weniger mit lockerem Dahingeschrammel und Verspieltheit sondern mit mehr Härte und mit einem größeren, gezielt eingesetzten Virtuosentum, das die Leadgitarrensaiten streckenweise an ihr Limit bringt.

Im botschaftsreichen History of Violence werden die Gitarren so zu musikalischen Waffen die mit einer virtuosen Spielwut für den Frieden kämpfen. Der Refrain von Dressed for Fun geht in hohem Leadgitarrengeheul auf und im Mittelteil von The Brood lassen quietschende Gitarrenbends gar den toten Pixies-Song Dead aufleben. Der zweite Gitarrist Markus Diepold übernimmt hier die lead vocals und schreit mit verzweifelter Kehle aus dem Gitarrenlärm hervor.

Auf anderen Songs des Albums ist Atmosphäre Trumpf. Im oben erwähnten Low werden in den Strophen atmosphärische Mollakkorde sanft in die Weiten der Nacht entlassen, sehr ähnlich wie es die Arctic Monkeys auf Favourite Worst Nightmare pflegten. Songs wie Vienna, TX verlieren sich im nächtlichen Nirgendwo und die Gitarren in Poor Man’s Fall from Grace schwellen sanft an und ab wie kühl dämmernde Grazer Straßenlichter im Rückspiegel.

Mit Lessons from Defeat (Album) haben Contact High zu ihrem Rocksound gefunden und das melodiöse, charmehafte, aber eben auch etwas austauschbare Indiegeschrammel hinter sich gelassen. Es ist ein wahres Fest der Instrumente, die sich hervorragend mit ihren Parts ergänzen, und songdienlicher Soli. Im epischen 5 Minuten Closer und Titeltrack Lessons from Defeat spielen Contact High vom Schlagzeugintro über variierte Strophenmelodie nach erstem Refrain, Basssolo, Gitarrensolo und gemeinsames Outro noch einmal ihre Songwriting-Stärken voll aus.

I wanna do nothing (for a living) ihre Bandhymne aus der On the Run EP schaffte es nicht aufs Album, Contact High brauchen keine Erinnerung mehr an ihre bevorzugte Lebensweise. „Rock n Roll should be my work“ hieß es in diesem Song – eine Lebenseinstellung die sie seit ihren Anfangstagen und auch auf der neuen Platte pflegen. Und Contact High haben für Lessons from Defeat gearbeitet. Ein Album für Spätnachtmelancholiker mit bluesigen Garagen.

[Release: 28.10.16]

https://soundcloud.com/contact_high

https://www.facebook.com/contacthighband/

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