The Boys You Know – Elephant Terrible

the_boys_you_know-elephant_terrible-web-2016-entitledSommerlicher Power Pop, trübsalblasende Trompete, regengetränkter Jazz – The Boys You Know spielen auf ihrem neuen Album Elephant Terrible so vielseitig und facettenreich auf wie wir die stadt- und mittlerweile landesweit bekannten boys bis jetzt noch nicht kannten.

Nach zwei hochgelobten 90er Alternative-Rock-lastigen Alben geht man auf Elephant Terrible mit einer spürbaren, künstlerischen Befreiung ans Werk. Hatte man das zweite Album Purple Lips schon ein Jahr nach dem Debüt nachgeschossen, von lediglich sechzehn neugeschriebenen Songs dreizehn ausgewählt, nahm man sich diesmal wieder mehr Zeit.

Zeit, in der Hangweyrer Songskizzen hervorholte, die während der Aufnahmen zu Waste Your Time und Purple Lips geschrieben worden waren, aber nicht in das damalige, rockige Konzept passten. Zeit auch, in der die Band folglich Zuwachs erhielt. Mit den neuen boys an den neuen Instrumenten Keyboard und Trompete konnte man dann, neben dem Schreiben neuer Songs, auch diese älteren Songvisionen endlich im volleren Bandgefüge musikalisch verwirklichen.

Eine neugewonnene Leichtigkeit atmet nun in den neun Songs, die es auf Elephant Terrible geworden sind. Durch den Opener Never Home weht ein auflockernder, zeitloser West Coast Sommerwind – der Song klingt nach einer Mischung der Lemonheads mit 70er kalifornischer Gitarrennudelei.

Symptomatisch für den musikalischen Tapetenwechsel verzichtete Hangweyrer bei vielen Songs der jüngsten Liveauftritte auch erstmals auf seine für den Dinosaur Jr-Sound typischen Jazzmaster-Gitarren, tauschte sie gegen eine halbakustische ein. Brachiale zerstörwütige Dinosaur Jr ähnliche Rocker wie Dig it Out, wie sie das Debüt Waste Your Time prägten, sind auf dem neuen Album nicht mehr anzutreffen. „Diesmal haben wir den Verzerrer so eingestellt, dass man noch erkennt, welche Note gerade gespielt wird.“, scherzte Hangweyrer. Die Fuzz Gitarren sind zwar immer noch präsent, aber zurückgehaltener, wie man auf Teenager of the Year und Indifferent hören kann. Die zwei Songs klingen stark nach den schottischen Power Pop Veteranen Teenage Fanclub auf ihrem Meisterwerk Grand Prix und bestechen mit ihren typisch sommerlichen Harmonien und Leadgitarrenlines wie gleißende Sonnenstrahlen.

Produziert hat das Album der bandeigene Leadgitarrist Matthias Kollos. Die ersten Aufnahmen, die in einem teuren Studio mit Indie Tausandsassa Wolfgang Möstl entstanden, der auch schon die ersten beiden Alben produzierte, wurden verworfen. Die Band wollte auf ihren fragilsten Songs nicht am poliertesten klingen und nahm die Produktion selbst in die Hand. Kollos sorgte dafür, dass die Songs ihre Ecken und Kanten bewahrten und wunderbar unperfekt und ungeschliffen aus den Boxen poltern.

Das merkt man besonders beim rau eingefangenen Garden. Es klingt nach einem ruhigerem Smashing Pumpkins-Stück und entstammt den kreativen Anfangstagen des Bandprojekts als Hangweyrer mit über 200, mal kürzeren, mal längeren Demos das Debüt Waste Your Time ersann.

Das Herzstück von Elephant Terrible ist das jazzig-soulige Rainy Days, in dem sich Hangweyrer über die Dichter und das Leben sinnierend mit dem wärmenden rauchigen Timbre eines leicht verkohlten Kaminfeuers durch den verregneten Samstag singt. Das Knistern ist den ganzen Song hindurch zu hören. In den Gesangspausen bläst die Jazztrompete dezent ihr Trübsal.

Das Intro zu Elephants klingt in seiner verspielten Verträumtheit stark nach einem Beach House Stück. Die Gitarren weichen im Refrain einer breiten Wand an Bläsern und Keyboard – hier kommen die neuen Instrumente besonders gut zur Geltung. Hineingestreut ist sogar eine kleine Anspielung an den Song All I have to do is dream der Everly Brothers aus den 60ern.

Mit The Change nimmt das Album noch einmal Fahrt auf bevor man sich mit dem vorletzten Track Morals mit reflektierendem Blick in die untergehende Sonne auf den Weg nach Hause macht. I Should Have schunkelt dann in Tradition der bisherigen Albumcloser Guardian Talk und Losing You, diesmal mit folkigem Banjo, das Album nach Hause.

Trotzdem ist Elephant Terrible eine lockere, zurückgelehnte, vielseitige Platte und der nötige Richtungswechsel geworden. Mit 9 Songs ist das Album so kurz wie der schwindende Spätsommer, aber die ideale Platte um ihn mit Leichtigkeit ausklingen zu lassen.

[Release: 26.08.16]

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